Meine ersten Tage in der Westschweiz

Wie es bei der modernen Partnervermittlung üblich ist, prangte auch das Foto von mir, meinen drei Schwestern und zwei Brüdern im Internet:

Der Erfolg blieb nicht aus: Viele Menschen interessierten sich für uns, und rasch wurden erste Dates vereinbart.

 

Am 8. Januar 2014 beispielsweise klingelte bei mir an der Unterdorfstrasse 5 in Gampelen das Telefon, und eine Frau bat um ein Rendez-vous mit mir, da ich genau ihren Vorstellungen (weiblich, langhaarig, einstmals mittelgross und -schwer, unternehmungslustig und sportlich) entsprach.

 

Am 10. Januar - wir durften uns der frühlingshaften Witterung wegen draussen aufhalten - 

(zum Vergrössern ins Foto klicken:)

fuhren bei mir zu Hause zwei Zweibeiner vor. Die weibliche Person stellte sich als die "Telefon-Frau" heraus. - Es war gegenseitige Liebe auf den ersten Blick:

Leider war ich erst acht Wochen alt und musste noch die "Volljährigkeit" abwarten, um mit meinem Fan wegzuziehen.

 

Am 18. Januar, um 10 Uhr war es endlich so weit: freudig rannte ich meiner neuen Bezugsperson entgegen.

Was dann kam, war jedoch alles andere als lustig: Auf dem Rücksitz in den Armen meiner Adoptivmutter ratterten wir in einem 4-rädrigen Untersatz MEIKO in Murten entgegen, um mich einzukleiden. Du liebes Bisschen! War das eine Fahrt: Rechtskurven, Linkskurven, Kreisel ... ich musste laut heulen, und mir war sterbensübel.

Noch war die Tortur nicht zu Ende: Trotz einer grossen Auswahl war es bei MEIKO schwierig, meine Grösse zu finden: Anziehen, ausziehen, anpassen, wieder ausziehen, weitere Modelle testen ... ! Schliesslich passte ein orangefarbenes, verstellbares Puppy-Geschirr, das mich riesig nervte und das ich am 18.01. das erste, einzige und letzte Mal tragen sollte, wie sich später heraus stellte ...

Noch konnte ich nicht aufatmen: Erneut hiess es in den grauen Koleos einsteigen. Das war nun des Guten zu viel: Ich musste mich fürchterlich übergeben.

Um 12 Uhr war ich endlich in meinem neuen Zuhause: vorerst durfte ich im grossen Garten umher rennen. Das war toll. Danach jedoch kam das Elend über mich: Im grossen Haus ohne leibliche Mama und Geschwister, umgeben von fremden Gegenständen fühlte ich mich soooo verlassen und traurig. Meine neue Frau gab jedoch Alles: Sie sprach in einer fremden Sprache, Französisch heisst das, glaube ich, beruhigend auf mich ein, liebkoste mich, verpasste mir wohltuende Streicheleinheiten à gogo, spielte mit mir, tollte mit mir am Boden und im Garten umher. Das gab sogar Appetit, und die erste Mahlzeit in der neuen Heimat schmeckte gar nicht übel.

 

Übrigens spreche ich unterdessen bereits so gut französisch, dass ich mich problemlos verständigen kann ... - Mit der Mentalität der Welschen habe ich allerdings noch ein wenig Mühe: Kaum begann ich freudig an den tollen Teppichfransen zu reissen und kauen,

rollten meine Menschen einen Teil dieser Bodendecker einfach zusammen ... und weg sind sie seither!

Müde von all den Eindrücken musste ich mal eine Runde vor mich hindösen ... und von der ersten Nachtruhe träumen.

Meine erste Nacht in der Romandie war echt cool: Nach zwei Stunden Schlaf brachte ich Bewegung in die Bude: Ich liess Stofftierchen fliegen, musizierte mit dem Cheminée-Besteck, testete die noch "vorhandenen" Teppiche auf ihre Reissfestigkeit, ertüchtigte mich im Schnelllauf ... führte meine Frau im Garten spazieren, bis wir beide müde waren und doch noch ein wenig an den Kissen horchten.

 

Sonntag, 19.01.: Habe viel gespielt und Gartengestaltung erledigt - das macht Spass! Auto fahren dagegen gar nicht! Da muss ich weinen und versuche immerzu auszusteigen. Dabei gings heute bloss an den See, wo ich "Riesenhunden" begegnete. Gerne hätte ich gespielt, hatte aber Angst vor den Monstern ...

 

Montag, 20.01.: Nach einer recht problemlosen Nacht mit nur zwei Gartengängen und einem "trockenen" Haus hatte ich Heisshunger. Belcando Puppy schmeckt mir sehr, bloss ist die Menge jeweils so klein.

Zugabe verlangen nützt absolut nichts, da vertröstet mich meine Frau bloss auf die nächsten zwei Mahlzeiten.

Bei einem ersten Quartier-Spaziergang begrüsste mich einer meiner neuen Nachbarn. Er heisse Olivier Sieber und sei Tierarzt, erklärte mir meine Frau. Auch zwei Artgenossen sah ich von weitem; ihr Gebrüll ängstigte mich ein wenig, und ich war froh, wieder heim zu kehren.

Da mir Auto fahren schrecklich Angst macht, setzt sich meine Chefin jetzt mit mir täglich auf den Rücksitz des stehenden Autos und spielt mit mir; danach rollen wir vor der Garage ca. 5 Meter hin und her. Das ertrage ich nun bereits. "Wir werden täglich üben", sagte heute meine Frau. Oh, Schreck!!!

 

Dienstag, 21.01.: Nebst Quartierspaziergängen durfte ich heute  die Räume des ersten Stocks, wo auch das Schlafzimmer meiner Menschen liegt, erkunden. Noch darf ich nicht Treppen steigen und wurde deshalb hoch und runter getragen. - Als ich abends von meinem Glück erfuhr, erstmals auch im Obergeschoss übernachten zu dürfen (bis anhin hatte meine Frau mit mir im Erdgeschoss übernachtet, damit ich - wenn nötig - sofort ins Freie gehen konnte.), drehte ich eine Stunde lang durch: Ich biss in alles, was mir vor die Schnauze kam, zerrte umher, was nicht niet- und nagelfest ist, nässte mehrmals die Böden ... Es war eine bewegte Nacht!

 

Mittwoch, 22.01.: Ich bin jetzt zehn Wochen alt und melde mich fürs "dicke" Geschäft, so dass ich nicht mehr im 2-Stunden-Takt ins Freie getragen werden muss. Das schätzen meine Menschen sehr.

 

Donnerstag, 23.01.: Jetzt kann man mich bereits für kleine Handreichungen einsetzen; so half ich meiner Frau denn heute, ein Geburtstagsgeschenk für eine liebe Freundin einzupacken. Wers nicht glaubt, sieht hier den Beweis:  

Nachmittags musste ich zum Einkauf mitfahren: Ich sollte eine luxuriöse Swisspet Autobox von Qualipet in Payerne bekommen. Zu meinem Leidwesen war der Ausflug von Erfolg gekrönt ...

 

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updated: 14.09.17:

Mein Tagebuch Sommer 2017

 

 

 

 

 


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